Nutzung von Cloud Speicher-Systemen wie Dropbox

June 6, 2014

Kann ich Dropbox oder andere Online (“Cloud”) Speichersysteme nutzen, um meine Projektdaten und / oder ATLAS.ti Bibliotheken zu speichern?

Die kurze Antwort ist: Tun Sie es nicht – es könnte sich nachteilig auf Ihre Projektdaten auswirken. Lesen Sie nachfolgende Erläuterungen für weitere Einzelheiten.

Cloud-Speicher-Dienste wie Dropbox zu nutzen, um die Projektdaten zu lagern, erscheint auf den ersten Blick als eine bequeme Lösung, vor allem bei der Arbeit im Team.

Es gibt jedoch einige Besonderheiten solcher Dienste, welcher sich viele Benutzer nicht bewusst sind und die, wenn sie nicht richtig berücksichtigt werden, zu Schäden an Ihren Projekten führen können und diese sogar unbrauchbar machen können.

Während Dropbox und ähnliche Dienstleistungen viele Vorteile bieten, hängt es davon ab, wie man sie benutzt, so dass man die Vorteile aus ihrer Verwendung auch ziehen kann. Andere Wege können geradezu schädlich für Ihre Arbeit sein.

Um das Problem zu verstehen, beachten Sie bitte die grundlegende Funktionsweise von ATLAS.ti:

Wenn Sie ein Segment im Hauptdokument markieren, “merkt” sich ATLAS.ti  die genaue Lage dieses Segments in Ihrem Dokument vom letzten Mal, als Sie Ihr Projekt gespeichert haben. Wird das Dokument später ohne ATLAS.ti “zu informieren” geändert, stimmen Verweise nicht mehr und Ihre Segmente verschwinden, Ihre Kodierung wird falsch ausgerichtet und folglich würde die Analyse fehlerhaft sein.

Wenn also ATLAS.ti ein Dokument mit falsch ausgerichteten Segmenten findet, wird es dieses nicht mehr laden, um weitere Schäden an Ihrem Projekt zu vermeiden. Sie können solche Verzerrungen an dieser Stelle manuell korrigieren, aber das ist kein wünschenswerter Zustand und natürlich eine sehr zeitaufwändige Sache dazu.

Damit ATLAS.ti Ihre Dokumente und deren Inhalt richtig referenzieren kann (d.h., dass Ihre Daten nutzbar sind), muss sich das Programm auf die absolute Integrität dieser Dokumente verlassen können. Dies bedeutet nicht, dass Sie sie sich nicht verändern dürfen, aber die Änderungen müssen mittels ATLAS.ti gemacht werden, damit das Programm darüber “Bescheid weiß” und die Verweise entsprechend angepasst werden.

Zu diesem Zweck – um absolute Integrität zu garantieren – führten wir die Benutzer- und Team-Bibliotheken in ATLAS.ti 7 ein. Dies sind besonders geschützte, interne Ordner, die als “Endlager” für Ihre Datendateien dienen.

Nun haben sich einige Benutzer gedacht, es wäre eine gute Idee, ihre Ablage auf ein Cloud-basiertes System wie Dropbox zu verschieben. Die Überlegung dahinter ist, dass es großartig wäre, Zugriff auf die Datei auch von einem anderen Ort zu haben oder den Zugriff auf diese Datei anderen Benutzern zu ermöglichen (in einem Team, als Beispiel).

Unglücklicherweise gibt es bei dieser Logik einen großen Fehler. Nutzer übersehen, dass Dropbox einfach die vorhandene Datei mit einer anderen Kopie der gleichen Datei ersetzt, wenn ein Benutzer – entweder der ursprüngliche Autor oder ein anderer Benutzer mit Zugriff auf die Datei – Änderungen an dieser Datei vornimmt. Vom Standpunkt des Dokumentes an sich macht das Sinn, aber aus Sicht einer Anwendung, welche ein intaktes Dokument benötigt, ist dies eine Katastrophe, da Dropbox die jeweilge Anwendung nicht über die Änderungen informiert. Die benötigte Datei-Integrität wurde untergraben, ohne dass der Benutzer sich dessen bewusst ist.

Um es anders formulieren, ist es das Wesen von Dropbox und anderen Cloud-basierten Diensten, dass sie einfach weitermachen und Daten in Ihrer Ablage ändern, ohne zu fragen, ob und wann diese Daten an anderer Stelle geändert wurden – mit oder ohne Wissen oder Zustimmung des Benutzers.

Daher rät ATLAS.ti seinen Anwendern vom Verschieben der Bibliothek auf Dropbox (oder anderen Cloud-Diensten) ab. Der Verlust der Daten oder andere Unannehmlichkeiten kommen sehr wahrscheinlich zustande, falls mehrere Nutzer gleichzeitig in einer Ablage arbeiten, die auf Dropbox liegt.

“Gleichzeitig” bedeutet in diesem Zusammenhang “während des Betriebs von ATLAS.ti” In diesem Sinne kann “gleichzeitig” auch zu verschiedenen Zeitpunkten bedeuten, die weit auseinander liegen. Man betrachte zum Beispiel das folgende Szenario:

ATLAS.ti wurde auf Computer A am 1. Januar gestartet, auf Computer B am 6. Januar und es läuft weiterhin auf beiden Rechnern.

Der Forscher auf Computer B speichert Dateien in der Ablage auf Computer B.

Der Forscher auf Computer A arbeitet weiter ohne Neustart von ATLAS.ti.

ATLAS.ti “weiß” in diesem Fall nicht, dass die Dateien “heimlich” vom Cloud-Service in der Ablage geändert wurden und hat keine Informationen zu den Änderungen in Ihren Dokumenten. Dies führt zu falsch ausgerichteten Zitaten, unverbunden Codes und allgemein unbrauchbaren PDs.

Wir möchten sehr deutlich machen, dass das oben Beschriebene in keiner Weise ein Fehler oder Konstruktionsproblem von ATLAS.ti ist. Vielmehr sind solche Probleme die natürliche Folge der Art und Weise, in der Cloud-Services arbeiten und die Nutzung eines solchen Dienstes ist die Entscheidung des Benutzers. Sie werden verstehen, dass die ATLAS.ti GmbH daher auch nicht in der Lage ist, Verantwortung und Haftung für Datenverlust zu übernehmen, der in Ihren Bibliotheken aufgrund eines Cloud-basierten Dienstes verursacht wurde.

Während wir dies feststellen ist uns bewusst, dass Nutzer den Wunsch haben, die Nutzung der Ablage mit Cloud-Diensten zu verbinden und unsere Entwicklungsabteilung arbeitet an einer Lösung, die es ermöglicht, diese Dienste produktiv in der Art, in der es sich der Nutzer wünscht, zu verwenden.

Während jedoch ein Workaround in relativ naher Zukunft möglich sein wird, ist eine vollkommen ausgereifte Cloud-basierte Ablage auch in nächster Zeit nicht zu erwarten. Einen Mechanismus zu entwerfen, der es ATLAS.ti erlaubt, solche Datenkonflikte, die aus verdeckten Änderungen resultieren, zu erkennen und zu beheben, ist etwas, das von unserer Entwicklungsabteilung angestrebt wird, ist allerdings mit Sicherheit eine weitere Programmfunktion und keine einfache Fehlerbehebung, und wird entsprechend länger dauern.

Share this Article